Das Lichtdruckverfahren

Das Lichtdruckverfahren wurde von den Pionieren der Fotografie Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt und in den folgenden 20 Jahren von dem Münchener Hoffotografen Joseph Albert zur industriellen Reife gebracht. Seitdem wird nach folgendem Prinzip gearbeitet: Eine Glasplatte wird mit einer Chromatgelatineschicht bedeckt und unter einem Fotonegativ des Originals belichtet. Durch den Belichtungsprozess entsteht auf ihr ein Positiv. Während der Belichtung wird die Gelatine entsprechend den Dichtewerten des Negativs mehr oder weniger gehärtet (partiell gegerbt) und verliert dementsprechend ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen. Nun wird das  Sensibilisierungsmittel ausgewässert und die Platte getrocknet. Nach Feuchtung mit einer Glyzerin – Wasser – Mischung kann die Gelatineschicht entsprechend der Intensität der Gerbung mehr oder weniger Farbe annehmen. Das Flachdruckprinzip also: die feuchten Partien bleiben farbfrei. Dabei ist dieser Vorgang im Lichtdruck mit dem Tiefdruckprinzip verquickt: da die feuchte Gelatine aufquillt, liegen die trockenen – also farbführenden – Partien tiefer. Unter dem Druck des Druckzylinders wird die Farbe direkt an das Papier abgegeben. Als Bedruckstoffe eignen sich gut geleimte Papiere, Kartons, auch Naturpergament. So entsteht eine Reproduktion, die augenscheinlich den sinnlichen Reichtum des Originals besitzt: ein Faksimile. Eine Fotografie z. B. wird also nicht durch technische Hilfssysteme wie etwa ein Raster und über ein Gummituch druckfähig gemacht – sie wird direkt gedruckt, denn sie befindet sich unverfremdet auf der Druckplatte. Das »Geheimnis« des Lichtdrucks ist das sehr feine natürliche Runzelkorn, das bei der Druckformenherstellung von der Gelatineschicht gebildet wird.
Es verkörpert die technologische Substanz des Verfahrens und übertrifft mit seinem Auflösungsvermögen auch elektronische Kornraster. Mit keiner anderen Technik können so feine Linien und Verläufe in allen Tonwerten in einem Druckgang hergestellt werden. Die tiefsten Schatten bleiben durchzeichnet, die Halbtöne echt, die Lichter zart bis spitz. Sogar Experten haben Schwierigkeiten, die Reproduktion vom Original zu unterscheiden. Auch die Farbechtheit des Lichtdrucks wird von keinem anderen Druckverfahren erreicht – Lichtdrucke verblassen über Jahrzehnte nicht.
Alle Bemühungen, das arbeits- und zeitaufwendige Verfahren für Massenauflagen wirtschaftlich zu gestalten, ohne ihm seine qualitative Überlegenheit zu nehmen, scheiterten weltweit. Es bleibt dabei: seine von keinem anderen Verfahren je übertroffene Spitzenqualität erreichte der Lichtdruck bereits im 19. Jahrhundert, mit dem er technisch wohl immer verbunden bleiben wird.

Quelle: Lichtdruck-Kunst Leipzig e.V.

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